Drei sogenannte Train-Surfer legten am Samstag die Koralmstrecke lahm, weil sie auf einen ICE aufgesprungen waren. Vor allem junge Männer begeben sich für den ultimativen Kick immer wieder in lebensgefährliche Situationen. Auch im Straßenverkehr tendieren männliche Heranwachsende statistisch zu riskanterem Verhalten.
Laut Andreas Walther, Professor für Psychotherapieforschung an der Uni Graz, liege dem Verhalten das gesellschaftliche Verständnis von Männlichkeit zugrunde: „Dieses
geht davon aus, dass Männlichkeit nicht einfach biologisch gegeben ist, sondern immer wieder sozial hergestellt und bestätigt werden muss.“ Härte, Dominanz, Risikobereitschaft, emotionale Unverletzlichkeit – Maskulinitätsideologien wie diese dominieren laut Walther immer noch die kulturell vermittelten und konstruierten Normen
und Erwartungen. „Dadurch kann vor allem in Gruppen Gleichaltriger ein hoher sozialer Druck entstehen.“ International zeigen sich ähnliche Muster: „Männlichkeit wird in
vielen Kulturen als etwas verstanden, das nicht selbstverständlich vorhanden ist, sondern immer wieder bewiesen werden muss.“
Mussten in der Historie der Gesellschaft oft gefährliche Prüfungen bestanden und Schmerzen ertragen werden, um die eigene Reife zu beweisen, wiederholt sich die Geschichte heutzutage in Form moderner Mutproben. Dass sich die jungen Männer wie im Fall der Train-Surfer in Lebensgefahr bringen, sei ihnen durchaus bewusst, so
der Experte. „Die unmittelbare Aussicht auf Anerkennung oder den besonderen „Kick“ kann das abstrakte Wissen über die Gefahr aber überlagern.“
Hinzu komme die Überzeugung, dass zwar grundsätzlich etwas passieren könne, „aber eben nie einem selbst“, so Walther. Der Experte kann aber beruhigen: „Die meisten Männer lehnen derartige Aktionen ab und bringen Mut oder Leistungsfähigkeit auf konstruktive Weise zum Ausdruck, unter anderem im Sport oder im Ehrenamt.“
Quelle: Kleine Zeitung, Simone Rendl, 22.07.2026.